8. Januar 2027 · 20.00 Uhr

Stefan Hunstein, Rezitation
Hugo Siegmeth, Saxofon, Klarinette
Axel Wolf, Laute, Theorbe

„Winterreise in einer Januarnacht“

Franz Schubert meets jazz and baroque

Diese „Winterreise“ ist anders. Hier singt niemand; der Text wird rezitiert. Und die Musik lässt Schuberts Themen und Motive zwar aufflackern, geht aber ganz frei mit ihnen um. Noch dazu mit völlig anderen Instrumenten! Kein Klavier, sondern verschiedene Arten von Lauten, dazu Tenorsaxophon, Sopransaxophon oder Bassklarinette. Eine ziemlich exotische Kombination! Und das auf der Folie eines der bedeutendsten Werke der klassischen Musik. Bringt das was?

Ja, es bringt was, sogar viel, wenn das Ergebnis so ist wie das hier vorliegende. Kein Ersatz, auch keine Alternative zu den großartigen Liedern Franz Schuberts über Wilhelm Müllers Gedichtzyklus schwebte den beiden Musikern Hugo Siegmeth (Blasinstrumente) und Axel Wolf (Lauten) sowie dem Schauspieler und Rezitator Stefan Hunstein hier vor, sondern eine Hommage an dieses tiefgründige Kunstwerk mit der manchmal schmerzhaft schönen Musik. Die Stationen dieser fesselnden Wanderung ins Ich schreiten die drei Interpreten hier auf eigene Art ab.

Um menschliche Existenz geht es in der „Winterreise“, um eine Neubestimmung der eigenen Position nach einem Rückschlag: Ein Abgewiesener, Ausgestoßener reflektiert sein Dasein, umgeben von Kälte und Dunkelheit. Axel Wolf und Hugo Siegmeth sind seit langem fasziniert von diesem Werk. Und irgendwann stand fest: Sie würden die „Winterreise“ gern in ihrer eigenen Musiksprache erzählen. Der Lautenist kommt von der Alten Musik, der Saxophonist vom Jazz, und in anderen Programmen (auch auf CD bei Oehms) haben sie ihre musikalischen Welten bereits mit viel Fingerspitzengefühl einander angenähert.

Stefan Hunstein

Stefan Hunstein, Schauspieler und Fotograf, geboren 1957 in Kassel, studierte von 1979 bis 1982 Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart. Seine ersten Engagements waren am Theater in Essen und Freiburg sowie von 1986 bis 1990 am Schauspielhaus Bochum. Von 1990 bis 2001 war er Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen sowie von 2001 bis 2010 am Bayerischen Staatsschauspiel. Von 2010 bis 2015 gehörte wieder zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Neben der regen Theatertätigkeit gab es auch ein Leben auf der Leinwand und im Fernsehen. Sowie im Regiesessel. In zahlreichen Rollen agierte er über drei Jahrzehnte. Im Kino wurde er erstmals bekannt mit „Nach fünf im Urwald“ mit Axel Milberg und Johann von Bülow. 2007 wurde er mit dem Kurt Meisel Preis ausgezeichnet. Gleichzeitig ist Stefan Hunstein als Fotograf und bildender Künstler tätig. Seine Werke waren in Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, u. a. im Kunstverein München, in der Städtischen Galerie Lenbachhaus, im Kulturpalast in Warschau, im Haus der Kunst und im Franz-Marc-Museum. 1991 wurde er mit dem Deutschen Photopreis ausgezeichnet. In der Spielzeit 2018/2019 kehrte er als Ensemblemitglied ans Schauspielhaus Bochum zurück, wo er 2019 mit dem Bochumer Theaterpreis ausgezeichnet wurde. Seit September 2022 ist er zudem Direktor der Abteilung Darstellende Kunst der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Foto: © Magdalena Hunstein

Hugo Siegmeth

Hugo Siegmeth ist ein europäischer Jazzmusiker, für den es selbstverständlich ist, auch klassische Musik als Improvisationsfeld zu nutzen. Im Banat (Arad/Rumänien) geboren, emigrierte er 1976 nach Deutschland. Noch während des Studiums am Richard-Strauss-Konservatorium München und Komposition bei Stefan Zorzor erhielt der Saxophonist 1998 den Bayerischen Jazzförderpreis sowie 2001 den vom Bayerischen Rundfunk verliehenen New Generation Award. Als Solist profilierte sich Siegmeth aufgrund seiner charakteristischen Farbgebung im Spannungsfeld von Jazz und Klassischer Musik zu einem der eigenständigsten Vertreter am Saxophon.2015 wurde er dafür mit dem Förderpreis Musik der Stadt München ausgezeichnet. Seine Konzerttätigkeit als Solist und künstlerischer Leiter führt zu zahlreichen Rundfunk- und CD-Produktionen sowie Auftritten auf internationalen Festivals und Bühnen wie Montreux (Jazz Festival), New York (Lincoln Center), Singapur (New Arts Festival), Linz (Ars Electronica), zu Tourneen durch Nord- und Südamerika, Australien, Europa sowie im Auftrag des Goethe-Instituts durch Zentralasien und in den Sudan. Zu hören ist erdabei in so vielfältigen Besetzungen wie dem Hugo Siegmeth Ensemble, im Duo mit dem Lautenisten Axel Wolf sowie auch mit Clark Terry, Michael Wollny, dem Ensemble Sarband, der Bayrisch Jazz Group, dem Deutschen Kammerorchester Berlin. Seit 2014 ist Siegmeth künstlerischer Leiter der Lehrer Big Band Bayern.

Foto: © Magdalena Hunstein

Axel Wolf

„Schon die ersten Töne machen deutlich, dass sich hier Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit mit technischer Brillanz und unbändiger Spielfreude in idealer Weise verbinden, weit entfernt von bloßer Effekthascherei.“

Axel Wolf gilt durch sein ausdrucksvolles Spiel und seine Darstellungskunst als einer der führenden Lautenisten. Nach dem Gitarren-und Lautenstudium bei Hans Michael Koch und Rolf Lislevand startete er sehr schnell eine internationale Konzerttätigkeit, mit Partnern und Dirigenten wie Dorothee Oberlinger, Irvine Arditti, Valer Sabadus, Patricia Kopatchinskaja, Ivor Bolton, Teodor Currentzis, mit Ensembles wie der Musica Fiata, dem Freiburger Barockorchester, oder dem Australian Chamber Orchestra.

Neben der historischen Aufführungspraxis widmet er sich im Duo „Flow“ gemeinsam mit dem Saxophonisten Hugo Siegmeth der Begegnung von Jazz, Barock und Renaissance sowie freier Improvisation, drei CD-Einspielungen sind bei OehmsClassics erschienen.

Foto: © Magdalena Hunstein